
Für Außenstehende macht Mainz häufig einen lebensfrohen und leicht provinziellen Eindruck, doch unter der Oberfläche brodelt es gewaltig und ein genaueres Hinsehen fördert ganz andere Dinge zu Tage. So steht Rheinland-Filz, mit der Hauptstadt Mainz, unter der Herrschaft des berüchtigten Königs Kurt. In Mainz hingegen treibt die Handkäs-Mafia ihr Unwesen.
Doch Abhilfe naht schon. Während sich die hiesigen Provinzpolitiker lieber um ihren eigenen Geldbeutel kümmern und das Prinzip der Mafia völlig missverstehen, tauchten in letzter Zeit zwei Mitglieder einer neuen Familie auf, die für mächtig Wirbel sorgen werden und in Zukunft ganz selbstlos kulturelle Projekte fördern. Statt Egoismus gilt bei ihnen das Prinzip, das auch Don Corleone verkörpert. Man bietet den Leuten Dienstleistungen, deren Kosten eine Art Solidaritätsbeitrag für die Familie darstellen, und verspricht ihnen im Gegenzug Schutz und Hilfe bei Problemen.
Von Marx über Coppola zum Mate Paten
So auch bei den vermeintlichen Mafiosi, die schon länger in Mainz verweilen, als mancher gerne glauben möchte. Der Untergrund ist eben auch vernetzt. Vor ein paar Jahren wagte der Bierbaron seine ersten Gehversuche und hilft Durstigen Tag und Nacht. Der neue Clan setzt den Gedanken des Barons fort, erweitert ihn jedoch um den Akt der gegenseitigen Hilfe. Nach stundenlangen Filmsessions hat der Mate Pate und sein Clan Coppolas Film “Der Pate” mehr als verinnerlicht und weiß zudem, was der berühmte Rheinland-Filzer Marx in London mit seinem Homie Engels schrieb.
“Das Kapital” unter die Achseln implantiert, beherrscht der Pate den feinen Spagat zwischen Kapitalismus und Kommunismus aufs Beste. Sein Produkt heißt Club Mate und ist eine Limo mit viel Koffein. In der Traditionsbrauerei Loscher aus dem Örtchen Münchsteinach wird seit gut 15 Jahren die Brause mit dem Mate-Tee gebraut. Genauso wie es sich für einen redlichen Hersteller gehört, lehnt er jede Zusammenarbeit mit Multis ab und beliefern lieber kleine Spätis und Clubs.
Bekannt wurde Club Mate zuerst über die Hackerszene, denen weißes Pulver auf Dauer zu ungesund war und die sich lieber “natürlich” fit hielten. Denn Red Bull wirkt gegen diese Brause wie DeepHouse im Vergleich zu RotterdamTechno. High Energy pur – nur ohne den nervigen 90er-Touch. Da Nerds spätestens seit Steve Jobs auch zu den Helden dieser Tage gehören, war es ein kurzer Weg, bis die Hipster das Getränk vereinnahmten und sich die Brause von Lan-Parties in Berliner Technoclubs ausbreitete. Dort konsumiert man am liebsten Wodka-Mate nach einem speziellen Ritual. Man bekommt eine Flasche gereicht, trinkt einen Schluck, gibt sie dem Barpersonal zurück, dass ihm die Flasche, je nach persönlichem Sympathiegrad, mit mehr oder weniger Wodka auffüllt.
Die Praxis der Familie
Doch genug der Theorie. In einer Undercover-Recherche konnten Details mitgehört und ein Foto geschossen werden: “Als erstes Projekt wollen wir den Internetbrunnen fördern, aber es kann auch mal für ein Konzert oder einen Spielplatz getrunken werden oder wir kaufen einen Beamer, den sich die Familie kostenlos ausleihen kann. […] Der Pate hat uns klare Vorgaben gemacht. Wir sollen die Probleme lösen, die es schon gibt, statt künstlich neue zu schaffen. […] Uns ist wichtig, dass die Unterstützung da ankommt, wo sie für die Familie (wir und alle die wir beliefern) sichtbar und nutzbar wird.”
Um dies zu finanzieren wird auf jeden Kasten ein kleiner Zuschlag erhoben. Geliefert wird frei Haus. Außerdem forscht zur Zeit Professor Dr. Dunkelkutter von der önologischen Fakultät Mainz an der Verträglichkeit von Mate und Wein, da die Handkäs-Mafia versucht, die Winzer gegen den Clan aufzuhetzen. Für ein besseres Mainz: Der Familie beitreten, den Handkäsmafiosi ordentlich in den Hintern treten und Professor Dr. Dunkelkutter unterstützen.
Foto: Jonas Otte
Mate Pate
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