Full Metal Village
Montag mal Uni Kino. Günstig für 2€, inklusive echtem Vorlesungsfeeling, laufen da im Hörsaal ein krächzender Ton, über etwas modischere Abkömmlinge der 3.-Reichs-Lautsprecher (die es heute nur noch am Hockenheimring zu geben scheint) und ein Bild des Beamers – nichts mit THX-Pro und 30 Millionen Farben. Dafür darf man am Ende aber auch mit Stiften auf die Tischchen klopfen;-)
„Full Metal Village“ lief, den ich schon länger vorhatte zu sehen, und er gefiel. Nein, es war kein Konzertfilm, sondern ein Heimatfilm (stand so im Titel) den die Filmemacherin Sung-Hyung Cho dort drehte, sie wollte weniger das Festival „Wacken Open Air“ zeigen, sondern das Leben und die Menschen der restlichen 358 Tage innerhalb des kleinen Ortes in Schleswig Holstein. Auf unvoreingenommene Weise und mit viel Vertrauen, welches ihr die Protagonisten entgegen gebracht haben mussten, lässt sie ohne Vorurteile das Leben und Selbstverständnis der Menschen dort, in ihren eigenen Worten, schildern…….
…und da kommt einiges Zusammen: Die beiden 16-jährigen Teenies die ihr Privat-Fitnessstudio im „Hof“ haben und dabei von einer Model-Karriere träumen. Der knapp 70-jährige Multibauer Trede, der nebenbei eine Freundin hat, um seine Frau zu schonen und morgens um sechs anfängt zu rauchen, damit er seine drei Schachteln Tagespensum schafft. Und die Oma eines der Mädels, die doch tatsächlich glaubt, die Besucher des Wacken trinken Blut, während ihr Pfarrer die Festival-Besucher für ihr Verhalten lobt. Ihre Enkelin wiederum träumt davon einmal eine Stunde im 3rd Reich zu sein, um zu erleben wie es damals war – was angesichts ihrer Unreflektiertheit leicht falsch verstanden werden kann. Also doch was los! Klingt hier jetzt nicht so witzig. In Echt ist es das dennoch;-)

Lediglich die letzten zehn Minuten zeigen dann das Festival. Selbst da ist der ganze Ort zugange. Wo bei „MTV-Festivals“ nur Top-Model-Anwärterinnen einweisen und auschenken dürfen, hilft in Wacken der ganze Ort mit (This is serious!). So kommen während der Musik ebenfalls alle Leute in Kontakt, als das Wackener Blasorchester spielt, ein paar ältere Menschen mitschunkeln und singen, während dazwischen Metaler ihr headbanging zum besten geben. Kurz vor Schluss dann doch noch richtiges Metal – und das war mir schon immer suspekt. Während andere ihr Publikum mit „Gudse Laune“ in Verzückung bringen, schreit dort ein in die Jahre gekommener Sänger einer Mittelalter angehauchten Speedmetal-Band „are you ready to kill? I said, are you ready to kill each other?“ ins Mikro, bevor die Duoble-Bass ihren Blitzkrieg startet.
Das beste Kommentar kam übrigens von K., der am Anfang als die Ömsen beim Kaffekränzje ihre Vorbehalte gegenüber den Metalern austauschten meinte, dass sich die Dorfbewohner und Metaler einfach mal unterhalten sollen, da Metaler und Dörfler generell bodenständig und konservativ seien – und so nach fünf Minuten den kompletten Film durchschaut hatte.
November 6, 2007 um 7:12
wau, cooler text