Kurz innegehalten: Elektro

Eben mit Pancho79 beim hören der neuen Braincell drauf gekommen, was mit oder aus Elektro geworden ist!? Es gibt zwar heute einen Stil der Elektro heißt und in Göttingen (besonders der alternativen oder linken Szene) wird alles wo ein Drumcoputer oder ein Synthie dabei ist auch als Elektro bezeichnet, aber das „richtige“ Elektro im 90er-Jahre-Verständnis in der Tradition von Kraftwerk, Bambaataa und fortgeführt durch Elektrolux, Direct Beat und andere Labels aus FFM, Detroit oder sonstwo ist tatsächlich verschwunden und weniger existent als Dubstep oder Zouk.
Tatsächlich ist die Bezeichnung „Elektro“ keineswegs ausgestorben und sie war schon immer einem Wandel unterworfen. Während Elektro für manche aus der eben genannten Tradition kommt und also geschichtlich mit dem Sound vergleichbar ist, aus dem später Techno oder Hip Hop (Bambaataa, Model 500, Egyptian Lover, Mantronix, Hashim, Elektrolux) entstand, bzw. weiter/parallel entwickelt wurde, gibt es auch Menschen für die Elektro immer etwas mit EBM und Synthie-Pop ist (Front 242, Depeche Mode). Für mich, als jemand der musikalisch die 90er komplett mitgenommen hat, ist Elektro eben die Musik mit gebrochenen Beats, trockenen Basslines, Vocoderstimmen und einer kühlen, maschinistischen Ästhetik (Elektrolux, Heckmann teilweise, Martian Leaders, der frühe Anthony Rother). Aktuell werden mit Elektro alle Arten von elektronischer Musik oder Rockmusik mit elektronischem Einschlag bezeichnet. Dabei ist es (je ferner die Leute elektronischer Musik stehen) möglich Bands wie Hot Chip, Placebo neben Produzenten wie Digitalism und Villalobos mit nur einem Begriff zu genrefizieren – was diesen auch überflüssig macht und mir immer wieder Probleme bereiten würde, wenn ich nicht mitmachte. So habe ich mir zumindest in meiner Wahlheimat angewöhnt, bei manchen Leuten den Begriff Elektro vorzuziehen, bevor ich stundenlange Erklärungen abhalte über den Unterschied zwischen Techno, Elektro und Gabba oder VIVA-Clubrotation-Trance, was nämlich mit der dortigen Definition von Techno gemeint ist.
Auch wenn der Begriff „Elektro“ seine heutige Bedeutung aus der Tatsache heraus haben dürfte, dass viele Leute überfordert sind, mit neuen (oder für viele neu klingenden) Musiken die eine Mischung aus klassichem Rock und Techno darstellen (als die zwei Pole der Popkultur seit den50ern), klarzukommen, bzw. andere nicht Techno sagen können, weil es ihre jahrelange Antihaltung ad absurdum führen würde, so ändert dies nichts an dem Tatbestand, dass die ursprünglich so bezeichnete Musik quasi ausgestorben ist.
Schon auf der SMS 2003 viel uns auf, dass trotz hochkarätigsten Line Ups und einer musikalischen Bandbreite zwischen, DnB, Schranz, Mnml, Techno und House kein Artist Elektro spielte. Wenn ich mich an Clubabende zurück erinnere, dann scheint es fast, als ob es eine Korrelation zwischen Omen-Closing und dem Verschwinden von Elektro gäbe. Lediglich 2005 in der Tille/Leipzig wurde Elektro gespielt, sogar mit Live Act aus Schweden, von einer ortsansässigen Crew, die aber nur Elektro machte. Und wie geil es doch immer war zwischen stundenlangem 4/4 mal abwechslungsreiche Beats zu hören, bzw. aufzulegen.
Elektro. Say what? *wild-mit-Finger-dreh* (am. sitcom-like)
Vielleicht fällt einem der Leser etwas ein…
Dezember 30, 2007 um 7:37
Hab ich ganz vergessen dir vorzuspielen als du bei mir warst:
818 323 01 von den Rainbow Brothers
Ist ein Side Project von den Langweilern Air, richtig geiler, fast schon klischeehafter Elektro. Von 2007, aber vom Sound her irgendwie volle Kanne Mitte 80er, näher an Bambaata oder Channel One als an Rother, freu dich schonmal drauf, oder lad’s dir einfach selbst runter.
Januar 2, 2008 um 1:31
Ja, mit dem Begriff Electro oder Elektro wird viel Schindluder betrieben, habe zumindest noch nie Aux88 oder Arpanet oder Dave Clarke auf einer „Electro“-Party gesehen. Die letzte richtige Elektro-Party die diesen Namen verdiente, auf der ich in Köln gewesen bin, war 1997 von Gregor Luttermann aka Rootpowder (ehemals Formic Records) organisiert, anlässlich eines Samplers mit dem Titel: Vinyl 2000 Electrecord…
Ich werde auch auf realvinylz dafür kämpfen, dass die Bezeichnung Elektro wieder Oberheim DX, TR-808, Roland Juno etc. bedeutet und nicht irgendwas mit elektronischer Musik…
Der blöde Laarmann hat doch letztens tatsächlich eine „neuartige“ Symbiose aus Electro und Rap ausgerufen, die angeblich völlig revolutionär sei… Pffft!
Januar 5, 2008 um 5:04
Oh, geiles Statement. BTW: Rootpowder sagt mir auch noch was. Auf ner gan alten „Rauschen“ von Force Inc.
Sollten wir mal ne Elektro-Revenge starten
Mit Laarman, das klingt wie Screamin´Rachels Hip-House-Revolution vor drei Jahren, die bis heute nicht eintrat, hehe…
Januar 17, 2008 um 1:32
[...] Basti hat genau das in Worte gefasst, was mich schon seit langem wurmt! … Für mich, als jemand der musikalisch die 90er komplett mitgenommen hat, ist Elektro eben die Musik mit gebrochenen Beats, trockenen Basslines, Vocoderstimmen und einer kühlen, maschinistischen Ästhetik … [...]