Rolf Lindner – Die Stunde der Cultural Studies

Die Cultural Studies, das „Glamour-Girl“ der Kulturwissenschaften, als trans-/interdisziplinäres, postmodernes Wissenschaftsprojekt mit theoretischem Eklektizismus, wird aus seiner Entstehunggeschichte  im England der 1950/60er heraus erläutert und dabei mit der Cultural Anthropology verglichen (Kapitel 3). Lindner sieht die Entstehung der CS eng mit den scholarship boys verbunden, die sich als aufstrebende, aus der Arbeiterklasse kommende Jung-Akademiker, zwischen ihrer Herkunftskultur und der upper class bewegen, ohne beiden wirklich anzugehören und so den marginal man im Sinne Robert Ezra Parks darstellen.
Somit wird auch die Alltagskultur interessant und erforschbar und das involviert sein im Feld, wird nicht mehr als negativ angesehen wie bei der CA („Nur das Fremde kann man unvertraut wahrnehmen.“). Selbstfeflexivität und Erfahrung ist nun gefragt und als Inside-Outsider mit kritischer Distanz, aber dennoch Vertrautheit gelingt es dem Forscher einen guten Zugang zu bekommen.
Methodisch betrachtet scheint es die Anwendung vieler Theorien zu sein und die Themenauswahl selbst zu sein, die die Attraktivität der CS ausmachen. Im Unterschied zur CA wird die Ethnographie jedoch größtenteils ausgespart und man beschränkt sich auf Literatursichtung und der symbolischen/zeichenhaften Aufladung angewandter/routinierter Praktiken zur Bewältigung des Alltags.
Das Buch Rolf Linders, Soziologe, Kulturanthropologe  und zurzeit Dozent für Europäische Ethnologie an der HU/Berlin gibt einen sehr gut und verständlichen Einblick in die CS und dank dem dritten Kapitel dient es auch zur Selbstvergewisserung, der immer um ihre kognitive Identität fürchtenden KA/EE.
Weiterführende und Einführungs-Literatur gibt es von Udo Göttlich, der (ebenfalls Soziologe) Einführungen zur CS geschrieben hat und mehr die Begriffe der Macht, in Anlehnung an Foucault, der für die CS sehr wichtig ist, wie generell der Poststrukturalismus, miteinbringt.

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