Auf der Seite von Polylux nun dieses Video zum Thema “3 Tage wach”, was mit diesem einen Machwerk (ohne Stil und Talent), das Gefühl einer neuen, DER neuen Feier-Generation vermitteln will. Beurteilen will ich das erstmal nicht, ob es cool ist oder bescheuert 36h wach zu sein, inklusive After-After-After-Hour. Fakt ist, dass dieses Feiern - was es aber auch vor 15 Jahren schon innerhalb der Techno-Szene gab - auf ein neues Level gehieft wurde. Nicht die Dauer oder Intensität wechselte, eher die Motivation und der Umgang damit.

Schaut man sich die Kommentare zum Thema bei Tanith an - die wahrscheinlich größtenteils gefakete Aussagen einer viralen Marketing-Kampagne sind, dabei dennoch ein/das Gefühl  des anvisierten Klientels vermitteln und dabei rückwirkend doch wieder gültige, wenn auch idealisierte/idealtypische, Aussagen darstellen - sieht man darin ein verändertes Bewusstsein beim Raven. Die Musik findet auf der Hinterbühne statt und dient dem “Drogenspießer” (Westbam: 1997) nur dazu nicht aus seinem Trip zu fallen - namentlich Ketamin, Crystal, GHB und den Klassikern Ecstasy, Speed, Kokain und Alkohol (wie es die gängigen Medien berichten). Auf der Vorderbühne also “Druffness” als Endziel!? Würde einiges erklären und hört man oft von anderen. Neben den illegalen Partys in Berlin, die zwar alt, momentan wieder durch die Medien gehyped werden, ist es vor allem das Berghain, dem (!!!) Techno-Club weltweit, dessen Peaktime zwischen Sa Nachts 4h bis So Mittags 15h reicht und inzwischen so bekannt ist - auch bei Leuten denen der “Techno-Spirit” völligst abgeht und die sich nur über jene 36h wach identifizieren. Schade für das Berghain, was rein technisch der Techno-Club ist, wohl aber, falls die Tür keine gute Politik macht, weiter verkommen wird, zu einem Touri- und Prekariats-Raver-Schuppen.

Anstatt einem gewissen Understatement verhaftet wie der Frontpage-Humor (Anfang der 90er), der häufig auf Wortspiele abging oder kleine Verpeiler-Anekdoten beinhaltete und Tracks, die zumindest teilweise offiziös-offensichtlich waren (”Ich möchte ein E kaufen”; “Immer wenn er Pillen nahm”; “Silke süchtig”) wird heute so offen der Konsum und das endlose Wach-sein propagiert und nach außen getragen, wie zu jener Zeit S/M-Praktiken bei Hans Meiser.

Ob meine Gedanken alle so stimmen, kann ich nicht sagen. Es sind eher Vermutungen, da ich der “Szene” nicht groß verhaftet bin und mir die Musik wichtiger war, als ewiges durchraven. Nach drei Stunden gutem Techno/DnB or whatever ist mein Körper eh erschöpft und wenn er es nicht ist, war die Musik für mich zu schlecht.

BTW: Reizen würde es mich trotzdem, eine empirische Untersuchung zum Thema durchzuführen. Teilnehmende Beobachtung, plus narrative Interviews, um die wirkliche Motivation, die hinter diesen Feiereien steckt, herauszubekommen. Was ich mich nämlich immer Frage ist: Was machen denn die Leute von Mi-Fr? Müssen die nicht arbeiten? Wo haben die das Geld her?

Gefunden via Sitzraver.



2 Responses to “Duracell-Häschen und -Karnickel”  

  1. 1 unkultur

    Bitte nicht teilnehmende Beobachtung auf Parties. Wohin das führt, kann man in einem Aufsatz in “Der Sound der Stadt. Musikindustrie und Subkultur in Berlin” von Scharenberg / Bader (Hg.) nachlesen, in welchem die Autorin das Herumhängen auf Parties und das Schnacken mit Leuten als wissenschaftliche Feldstudie verkauft. Zweifelhaft, höchst zweifelhaft! Bin ich ja nicht so der Fan von. ;)

  1. 1 Lesung: Speed@T-Keller 18.03. « Wechselwirkungen

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