Es gab ein Festival auf das ich partout nicht wollte. Hauptsächlich lag dies an dem Veranstalter (IWF) und dem Thema (ethnographische Filme), dass ich eine Abneigung verspürte. Bei IWF denken die meisten an die langweiligen Schulfilme von früher oder [ich] an thematisch [Geschmackssache] und filmisch ["objektiv"] langweilige Filme über “Eine Heidschnuckenschäferei in Schneverdingen” oder “Fotoura - Savannentöpferei in Burkina Faso”, in den es Filmemacher schaffen, aus zehn Einstellungen 60 Minuten Film zaubern zu können. Die Karte kaufte ich dennoch vor vielen Wochen und erfuhr erst zwei Tage vor Beginn, dass der erste (interessante) Tage kostenfrei ist. An diesem liefen die student-documentarys. Filme von Studenten die keine Filmhochschule oder ähnliches besuchen und ihre Dokus (oftmals die ersten) präsentieren konnten.

Los ging es mit “Wo lang?”, einer Prinzessinnenbad beeinflussten Doku über Jugendliche aus dem Märkischen Viertel in Berlin. Max Kerkhoff, Student der Europäischen Ethnologie, nahm sein Feldforschungsseminar zum Anlass eine teilnehmende Beobachtung zu machen und diese filmisch festzuhalten. Heraus kam ein sehr gut geschnittenes Portrait über eine Jugendclique zwischen Platten und dem Wohnzimmer eines der Protagonisten. Wie lebt es sich in einem Viertel, dass vor allem durch Armut, hohe Rentnerdichte und wenig Ausländern (5% unter dem Berliner Schnitt) geprägt ist? Eigentlich wie in einem Dorf kam es mir vor. Die Jugendlichen kommen selten raus aus dem Kiez und entwickelten auch eine Art Stolz (auch als Reaktion der Lebensumstände), sich dementsprechend zu geben. Nebenher Döner, Bier, rumhängen und Hip Hop. Insgesamt sehr schönes Erstwerk, wenn auch - aufgrund der kurzen Feldphase von nur einer Woche - die Aussagen recht abgedroschen daherkommen, bzw. man nicht so nah an die Akteure herankam. Absolut loben, muss ich den Untertitel, der dank Übersetzung eines native-speaker unheimlich gut gelungen ist.

Das Seminar zum kulturwissenschaftlichen Dokumentarfilm, welches von Torsten Näser und Dr. Edmund Ballhaus in Gö geleitet wird, bietet neben den vier Semestern mit Abschlussfilm, auch die Möglichkeit seine Magisterarbeit in der KA/EE als Film zu machen. Davon machte Sandra Eckardt gebrauch und “schrieb” ihre Arbeit über den Übergang vom Schul- ins Berufsleben zweier Hauptschüler. Ihr Bonuspunkt (im Vergleich zu vielen anderen Dokumentaristen) ist dabei die Kenntnis um die Technik und Praxis des Feldforschens, was man ihrem Werk deutlich anmerkt. Für mich jedenfalls der beste Film der aus dem Seminar heraus entstanden ist. Eine 15-jährige Typ und eine gleichaltriges Mädel werden mit der Kamera fünf Monate begleitet. Am letzten Schultag gehts los, die Sommerferien über, bis in den Herbst hinein. Durch intensive Nähe kommen dementsprechende Aussagen der beiden zu Tage - über Probleme der Berufswahl, Autoritätspersonen und den Schritt in die Eigenverantwortung. Gefühle, Lebenwelten werden vermittelt in den Worten derer die sie gestalten und leben. Nebenbei hat Sandra viel Glück mit der Mutter des einen und der Vorgesetzten der anderen gehabt. Durch diese wird der Film auch immer wieder witzig und so absurd, weil…



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